April 29th, 2020 Min. Lesezeit

Soziale Beziehungen und Einsamkeit in Zeiten der Corona-Krise


Sie sind einer der wesentlichsten Glücksfaktoren überhaupt – Beziehungen. Nicht nur Partnerschaften, sondern auch Freund*innen, die Familie und Kontakte bei der Arbeit und im virtuellen Raum. Gesunde Beziehungen stärken unser Wohlbefinden und verlängern sogar laut Studien unser Leben, während Einsamkeit die Lebensdauer verkürzen kann. Wie sehr wir andere Menschen brauchen, wird uns in der aktuellen Situation, in der wir Sozialkontakte stark einschränken müssen, besonders bewusst. Wir möchten dir in diesem Blogbeitrag erklären, welchen Einfluss Beziehungen auf deine mentale Gesundheit haben. Außerdem zeigen wir dir, wie du sie trotz der Corona-Krise stärken kannst und welche Strategien gegen Einsamkeit helfen.

Corona – auf einmal ist alles anders

Vor der Krise war der Kontakt zu Anderen fast selbstverständlich: Mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren und dicht an dicht zu anderen Fahrgästen stehen, Meetings und Mittagspause mit Kolleg*innen, der Besuch im Fitnessstudio, gesellige Barabende oder ein Friseurbesuch. Nun stehen Videokonferenzen und Abstand halten auf dem Programm. Plötzlich wird der Ausflug in den Supermarkt zum sozialen Event. Selbst fremden Leuten zulächeln fällt unter der Atemschutzmaske schwer. Die Art und Weise, wie wir auf diese Veränderungen reagieren, ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Vielleicht fällt dir auf, dass dein Bedürfnis nach Nähe steigt. Besonders, wenn du alleine wohnst, können sich schnell Gefühle von Einsamkeit einstellen. Wie sehr du unter der Isolation leidest, kann davon abhängen, ob du intro- oder extrovertiert bist. Als introvertierte Person dürfte es dir etwas leichter fallen, Zeit mit dir selbst zu verbringen. Möglicherweise hast du bereits neue Routinen für deine Selbstfürsorge etabliert und legst den Fokus vermehrt auf dich. Es kann auch sein, dass du sensibler auf Menschen und äußere Reize reagierst, wenn du einkaufen gehst, weil du es nicht mehr gewohnt bist. Vielleicht verspürst du auch das Bedürfnis, vermehrt Kontakt zu alten Freund*innen aufzunehmen und dich mit ihnen über die Situation auszutauschen. Eine positive Sichtweise der sozialen Einschränkungen ist, dass dafür einzelne Kontakte umso intensiver werden können.

Der Einfluss von Beziehungen auf das Wohlbefinden

Wie wichtig soziale Beziehungen für unser Wohlbefinden sind, zeigen Studienergebnisse aus der Glückspsychologie. Die Forscher Ed Diener und Martin Seligmann fanden heraus, dass sie der wichtigste äußere Faktor für unser Glücksempfinden sind. Auch an der Harvard University wurde über 75 Jahre lang in den beiden Studien “The Grant Study” und “The Glueck Study” untersucht, was uns Menschen wirklich glücklich macht. Mit einem ähnlichen Ergebnis: Gute Beziehungen machen uns nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder. Besonders der Kontakt zu Freunden ist von großer Bedeutung. Dabei kommt es aber nicht darauf an, wie viele Kontakte wir haben, sondern wie tief unsere Freundschaften sind. Deshalb sollten wir unsere Energie vor allem in bereits bestehende Kontakte investieren, wenn diese uns gut tun und uns unterstützen. Negative Beziehungen hingegen, egal ob mit Freundinnen oder Partnerinnen, können unsere psychische Widerstandsfähigkeit schwächen.

Dass soziale Beziehungen wesentlich zu unserer Gesundheit beitragen, belegte die Psychologin Julianne Holt-Lunstadt von der Brigham Young University im Jahr 2015. Mithilfe ihrer Studie mit 3,4 Millionen Teilnehmern fand sie heraus, dass Probanden, die häufig Gefühle von Einsamkeit spürten, ein um 26 Prozent höheres frühzeitiges Sterberisiko hatten. Bei Menschen, die alleine lebten, erhöhte sich das Risiko um 32 Prozent. Natürlich musst du aufgrund der Corona-Krise nicht an Einsamkeit sterben. Es gibt trotz allem genügend Möglichkeiten, wie du jetzt deine Kontakte pflegen kannst.

Beziehungen stärken trotz Isolation

Wichtig ist vor allem, für deine engsten Bezugspersonen da zu sein und sie zu unterstützen. Viele haben zurzeit mit schwierigen Veränderungen und negativen Gefühlen zu kämpfen. Gerade in der Krise zeigt sich, welche Beziehungen und Freundschaften wirklich Bestand haben. Egal, wie viel du momentan mit dir selbst zu tun hast, vergiss dabei die Anderen nicht. Frage dich, wer sich über einen lieben Anruf, eine Nachricht oder einen Brief von dir freuen würde. Wer fühlt sich zurzeit auch einsam? Vielleicht eine Freundin aus einer anderen Stadt, dein Nachbar oder deine Großeltern. Drücke auch gegenüber denjenigen deine Dankbarkeit aus, die immer ein offenes Ohr für dich haben.

Sicherlich vermisst du es auch, mit deinen Freund*innen schöne Dinge zu unternehmen. Jetzt heißt es, kreativ zu werden, bis ihr euch wieder in der Gruppe treffen könnt. Wie wäre es mit einer Tanzparty per Videocall, regelmäßige Abendessen vor der Kamera oder das parallele Anschauen einer Serie? Auch wenn nichts den persönlichen Kontakt ersetzen kann, können euch derartige Aktivitäten trotzdem verbinden. Vielleicht hast du aber auch das Gefühl, dass du momentan nur wenige Personen kennst, mit denen du reden kannst. Schaue dich in Facebook-Gruppen oder anderen virtuellen Communities um, die deine Interessen teilen. Dort gibt es viele Personen, denen es ähnlich geht. Dank virtueller Meet-Ups kannst du auch trotz Corona neue Freundschaften schließen.

Wenn du die Isolation mit deinem Partner oder deiner Partnerin verbringst, kann das sehr schön, aber auch sehr herausfordernd sein. Es ist jetzt besonders wichtig, ihn oder sie nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Nehmt euch bewusst Zeit füreinander, zum Beispiel mit Abendessen, bei denen ihr alle elektronischen Geräte ausschaltet. Versucht, in die Zukunft zu schauen und Aktivitäten zu planen, die ihr nach der Corona-Zeit unternehmen könnt. Auch falls du Single bist und die Partnersuche gerade hoffnungslos erscheint, können Partnerbörsen helfen. Die aktuelle Situation trägt dazu bei, dass wir uns langsamer kennenlernen können, als wir es aus der bisherigen, schnelllebigen Online-Dating Zeit gewohnt sind. Durch längeres Schreiben und Telefonieren kannst du besser herausfinden, ob eine Person zu dir passt und etwas mehr Spannung aufbauen bis zum ersten Treffen. Ein Spaziergang auf Abstand ohne Berührungen? Bestimmt gar nicht so langweilig, wie du denkst!

Was hilft gegen Einsamkeit

Jede*r von uns erlebt momentan wahrscheinlich Momente, in denen wir uns einsam fühlen. Erst einmal kann es helfen, das Gefühl zuzulassen und zu akzeptieren. Wenn du niemanden zum Reden hast, kannst du deine Gedanken aufschreiben. Frage dich, wie du persönlich mit dem Alleinsein umgehst. Vielleicht bist du es nicht gewohnt, auf einmal so viel Zeit mit dir selbst zu verbringen und weißt nicht, was du mit dir anfangen sollst. Das Entwickeln von gesunden Routinen kann dir helfen, Struktur in deinen Tag zu bringen und dir das Gefühl geben, etwas geschafft zu haben. Versuche, Aktivitäten zu finden, die dir gut tun und dich vom Grübeln abhalten, wie Sport, Kochen oder ein kreatives Hobby.

Was außerdem helfen kann, mit Einsamkeit umzugehen, ist Achtsamkeitstraining. In der Meditation lernst du, nur mit dir selbst in Stille zu sitzen und deine Gefühle anzunehmen. So kannst du versuchen, ein paar Minuten am Tag komplett ohne äußere Einflüsse im Hier und Jetzt zu verbringen. Mit etwas Übung wird dir das immer leichter fallen. In der Mindance App findest du eine große Auswahl an Mentalübungen, die auch für Anfänger geeignet sind. Der kostenfreie Kurs “Verbundenheit” hilft dir, dich trotz sozialer Isolierung mit anderen und dir selbst verbunden zu fühlen. Die App findest du im App Store oder bei Google Play. Probiere es gleich aus!

Eines ist klar: So ganz ohne Beziehungen und Kontakte geht es nicht und die aktuelle Situation stellt alle sozialen Beziehungen auf eine harte Probe. Doch wir dürfen uns umso mehr freuen, wenn diese Phase vorbei ist und wir alle unsere Liebsten wieder in die Arme schließen können, zusammen feiern oder verreisen. Und bis dahin machen wir einfach das Beste aus der Isolation und verbringen Zeit mit der Person, die wir ansonsten oft am meisten vernachlässigen – mit uns selbst.

Foto: Roberto Nickson auf Unsplash

Miriam Stropel

Marketing & Sales Managerin

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